Geld und haptische Glaubwürdigkeit

von Olaf Hartmann am Montag, 19 Juni 2017. Veröffentlicht in Haptik

Handfeste Argumente für die Finanzökonomie

Viele Stimmen, darunter auch Vertreter der Finanzwirtschaft, fordern inzwischen eine bargeldlos Wirtschaft. Reines Online-Business funktioniert aber nicht ohne haptische Kommunikationsinstrumente, wie ich im ersten Teil meines Blogs Haptik und Bargeld bereits angerissen habe. Doch was hängt für die Verbraucher noch am Bargeld?

Für die Deutschen scheint eine bargeldlose Welt keine Option zu sein. Bei einer Umfrage der Meinungsforscher von YouGov sprachen sich drei Viertel der Befragten gegen die grassierenden Pläne aus, das Bargeld abzuschaffen.

Die Hauptgründe: Kartenzahlung wird als unsicherer bewertet. Darüber hinaus behalte man bei Bareinkäufen besser den Überblick über das eigene Budget.

Unterstützung kommt von Seiten des Bankverbandes. Zwar biete die mit Abschaffung des Bargeldes mögliche Überwachung jeglicher finanzieller Transaktionen Vorteile, um Kriminelle zu verfolgen, doch gleichzeitig würden damit alle Bürger zu gläsernen Konsumenten.

 

Drohender Vertrauensverlust

Der Deutschen Bank war das Thema eine differenzierte Studie wert: „Bargeld, Freiheit und Verbrechen“. In der Bilanz wird davor gewarnt, Scheine und Münzen abzuschaffen “.

Mit Blick auf die Bürger „könnte es zu einem Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in den Euro und in das gesamte Finanzsystem kommen“.

Eines der Kernargumente für die Abschaffung des haptischen Geldes lautet: Kriminelle missbrauchen es, um die Spuren ihrer illegalen Machenschaften zu verwischen. Doch diese These ist für die Experten der Deutschen Bank nicht haltbar.

 

Entstehung von Alternativen zur offiziellen Währung?

Beispielsweise könne die in Deutschland relativ kleine Schattenwirtschaft auf diesem Wege nicht aufgelöst werden, stattdessen würden nur die Kosten für den Transfer illegaler Gelder steigen. Mehr als zwei, drei Prozent weniger Schattenwirtschaft sei nicht zu erwarten, eher die Schaffung von Alternativen zur offiziellen Währung.

Auch bei der internationalen Kriminalität sei höchstens mit 20 Prozent Rückgang zu rechnen. Noch weniger Wirkung würde die Abschaffung des Bargeldes bei der Bekämpfung des Terrorismus zeigen.

Als Beleg wird eine zwei Dekaden umfassende Studie zitiert, die 40 Terroranschläge im europäischen Raum im Zeichen des Dschihad analysiert: Die meisten Gelder flossen aus eigenen Quellen. Drei von vier Anschlägen wurden mit weniger als 10.000 US-Dollar finanziert – nur bedingt verdächtige Summen.

 

Bargeld als das „bessere Reservesystem“

Während für die Verbrechensbekämpfung mit Abschaffung des Bargeldes nicht viel gewonnen ist, hat der Bürger eine Menge zu verlieren. Die Studie der Deutschen Bank listet eine ganze Reihe von Nachteilen auf, die der rein digitale Geldtransfer für uns mit sich bringen würde.

Einige der Kernaspekte: Im Jahr 2013 tauchte unter 24.600 echten Geldscheinen nur eine gefälschte Banknote auf – hingegen bereits bei 5.300 digitale Geldtransfers ein Betrugsfall.

Da Bargeld über Jahrzehnte zirkuliert, verzeichnet es auch die geringsten Transferkosten. Zudem fällt es nicht aus, wenn die Technik streikt, und sei damit das „bessere Reservesystem“.

Last not least: Barzahlungen verhindern Datenmissbrauch und ersparen dem Bürger das paranoide Lebensgefühl, „ohne konkreten Anlass unter Generalverdacht“ zu stehen. Die mit der Transparenz aller finanziellen Transfers einhergehende Kontrollmöglichkeit der Bürger würde auf wenig Gegenliebe stoßen – im Gegenteil: Demokratie und völlige Transparenz mit der Möglichkeit zur totalen Kontrolle sind Widersprüche in sich. Die haptische Glaubwürdigkeit des Geldes übernimmt an dieser Stelle sogar eine gesellschaftsrelevante Funktion.

 

Geld und haptische Glaubwürdigkeit

Für die Finanzdienstleister geht es dabei natürlich noch um sehr viel mehr. Ihre ohnehin abstrakten Botschaften appellieren an das Vertrauen ihrer Klientel, kolportieren die eigene Kompetenz wie auch Glaubwürdigkeit.

Dieser Dreiklang-Fanfare bedienen sich aber mehr oder weniger alle Akteure der Geldökonomie. Die Marken dahinter lösen sich in uniforme digitale Sphären auf. Dies umso mehr, als die Zahl der Filialen weiterhin dramatisch schrumpft und damit auch die persönlichen Begegnungen zwischen dem Kunden und „seinem“ Berater. Ein dynamischer Vorgang, der die Verbraucher verunsichert.

Gerade in Phasen der Verunsicherung aber suchen die Menschen den persönlichen Kontakt. Sie wollen die auch Dinge berühren, suchen Greifbares und Glaubwürdigkeit jenseits des Abstrakten. Daher die Anhänglichkeit beim Bargeld. Doch für Bankinstitute und Versicherer braucht es noch ein wenig mehr, um sich in eine messbar vorteilshafte Wettbewerbssituation zu bringen: Handfeste Argumente für abstrakte Benefits!

 

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Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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