Der Schrei nach Haptik

am Sonntag, 01 Oktober 2017.

Start-ups mit "einzigartigen physischen Produkten”

Frauenhände umklammern Produkte in Originalverpackung"Ich finde es saugut, dass es beim SevenVentures Pitch Day nicht um virtuelle Produkte geht. Irgendwelche Cloud-Dienste und so Sachen, die man nicht begreift, weil sie zu abstrakt sind. Die Gründer haben physische Produkte und das wird mega!"

Das sagt kein Geringerer als der TV-Moderator und Startup-Investor Joko Winterscheidt, der in die diesjährige Jury des Sevenventures Pitch Day berufen wurde.

 

Der Schrei nach Haptik

Seven Ventures ist die Investment-Unit von Pro-Sieben-Sat-1 und hält in diesem Jahr Ausschau nach innovativen B2C-Start-ups, die sich auf "einzigartige physische Produkte" verlegt haben. Das ist durchaus bemerkenswert, denn die einschlägigen Startup-Formate im deutschen Fernsehen bewegen sich nicht jenseits von digitaler Abstraktion und Disruption.

Erfrischend anders der Coup des Sevenventures Pitch Day. Ein Schrei nach analogen Produkten, nach Haptik, für die die Pitch-Day-Macher mit Joko Winterscheidt auf einen bekennenden Haptik-Fan und veritablen Influencer setzen.

 

Die Welt braucht auch weiterhin Produkte zum Anfassen

Zu vermuten steht auch, dass diese Initiative keine Eintagsfliege bleiben wird. Die Welt braucht auch weiterhin Produkte zum Anfassen. Gerne auch unvernetzte, wie die aktuelle Diskussion um datenhungrige Smart Toys aufzeigt.

Zu hoffen ist weiterhin, dass auch den Generationen Y und Z inmitten ihrer gelebten allumfassenden Digitalität das eine oder andere analoge Lichtlein aufgeht. So wird beispielsweise über die fehlende technologische Infrastruktur an Schulen geklagt. Die geschieht fraglos mit gutem Grund.

 

Homo hapticus: ohne Tastsinn kein Lernen und keine Entwicklung

Bei den so genannten Ed-Startups (Education-Startups) führt diese Diskrepanz zu einer interessanten Konsequenz: “Die typischen Startup-Ideen im Bildungsbereich sind meistens physische Produkte oder analoge Dienstleistungen und selten digitale.”

Das ist sicherlich nicht ausschließlich Ausdruck einer Misere, sondern auch eine Chance. Schließlich verfügen wir über die gesicherte Erkenntnis, “„dass der Tastsinn in einer sehr engen Verbindung zum Lernen und Entwickeln steht”, wie ich in meinem Blogbeitrag “Homo hapticus” erläutert habe.

 

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