Augmented Reality - Google Glass wird weiterentwickelt

von Olaf Hartmann am Donnerstag, 05 März 2015. Veröffentlicht in Neuromarketing

Es gibt kaum ein technisches Produkt, das während der letzten Jahre für mehr negatives Aufsehen gesorgt hat. Der Name „Glasshole“ machte die Runde.

Gleichzeitig wird keine Neuerung derartig heiß diskutiert, sowohl von der Wirtschaft und der Wissenschaft als auch von Endverbrauchern. Die Rede ist natürlich von Google Glass.

Erstmals vorgestellt im Jahr 2012, hat sich die realitätserweiternde Brille zu einem Objekt entwickelt, das gleichermaßen abschreckt und fasziniert.

War es in George Orwells Roman "1984" noch ein Alptraum, immer und zu jeder Zeit überwacht zu werden, könnte Google Glass diesen Alptraum Wirklichkeit werden lassen.

Ganz nüchtern betrachtet, handelt es sich bei dem neuen Google-Produkt um einen brillenähnlichen Mini-Computer, der Informationen in das Sichtfeld des Trägers projiziert.

Auf diese Weise wird die Realität um zusätzliche Informationen angereichert. Der dazugehörige Fachbegriff: Augmented Reality.

Zusätzlich besitzt das Gerät aber auch eine eingebaute Kamera, die dazu in der Lage ist, das Umfeld des Trägers aufzuzeichnen. Automatische Gesichtserkennung, Konsum-Tracking, juristische Nutzung - all das ist denkbar.

Nun hat Google den geplanten Verkauf der Brillen vorerst gestoppt und den früheren Apple-Manager Tony Fadell auf das Projekt angesetzt.

 

Google Glass im Relaunch

Dabei handelt es sich weniger um eine Beerdigung als vielmehr um eine geplante Wiederauferstehung. Fadell soll dem Produkt neues Leben einhauchen, Vorurteile aus der Welt räumen und technische Probleme lösen. So leiden die Brillen bisher beispielsweise unter geringen Akkulaufzeiten und Überhitzung.

Welche Strategie der ehemalige Apple-Manager verfolgt, ist nicht offenkundig. Fest steht, dass der Konsumentenmarkt nicht vernachlässigt werden soll. Zwar fand die Innovation bis dato vor allem in der Wirtschaft Verwendung - beispielsweise bei BMW -, aber die Zukunft von Google Glass soll auch den Endverbraucher mit einbeziehen.

Google Glass bietet diesbezüglich unergründliche Möglichkeiten - auch aus dem Blickwinkel der Marketing-Abteilungen. So ist das sogenannte Eye-Tracking zwar schon seit langer Zeit ein Bestandteil der Forschung und teilweise auch bis zum Konsumenten durchgesickert. Perfektion naht aber erst im Zuge der realitätserweiternden Brille.

So wird spekuliert, dass Google nicht nur daran arbeitet, mit der Brille sämtliche Augenbewegungen verfolgen zu können, sondern auch daran, diese Augenbewegungen mit den Bildern in Verbindung zu bringen, die der Brillenträger sieht. So können die Werte miteinander kombiniert und das Profil des Trägers bestimmt werden.

Dabei können mannigfaltige Informationen erfasst werden: Erkennt der Brillenträger die Person, die er gerade anschaut? Ist der Google Glass-Träger müde oder konzentriert er sich auf seine Arbeit? Liest er, befindet er sich in einer Menschenmenge oder fährt er gerade Auto?

 

Augmented Reality - Der Weg zum gläsernen Kunden?

Es ist zwar ohne Netzhautscan nicht ohne weiteres möglich, die gewonnenen Daten mit Personen in Verbindung zu bringen.

Eine Alters- und Geschlechtsbestimmung, wie sie im Internet schon lange stattfindet, ist aber absolut denkbar. So könnte man die gesammelten Informationen beispielsweise mit dem Auslesen der Browser-Chronik vergleichen.

Der große Vorteil von Google Glass: Die Brille zeichnet auf, worauf der Träger seine Aufmerksamkeit richtet - ob bewusst oder nicht. Man kann das Verhalten eines Konsumenten natürlich auch begutachten, indem man auswertet, welche Produkte er kauft. Seine unterbewussten Reaktionen können dabei aber nicht erfasst werden.

Es könnte zukünftig also Werbung in das Sichtfeld des Kunden eingeblendet werden, die speziell auf seine unbewussten Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Anschließend kann verfolgt werden, wie der Brillenträger auf die Werbung reagiert, wie oft er sie anschaut oder ob es zu einem anschließenden Kauf kommt.

Google Glass bietet zahlreiche Möglichkeiten, um die eigenen Kunden noch besser kennenzulernen, doch bei technologischen Fortschritten dieser Größenordnung ist auch Vorsicht geboten - vor allem aus der Endverbraucherperspektive.

Denn so viele Vorteile Google Glass auch bieten mag - es macht Kunden erneut ein Stück gläserner.

 

Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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