Die Evolution des Einkaufswagens

von Olaf Hartmann am Sonntag, 13 August 2017. Veröffentlicht in Neuromarketing

Vom Einkaufswagen zum "Smart Cart"

Präsentation moderner Einkaufswagen für MessebesucherStirbt er oder kommt er durch? Erledigt ihn der digitale Einkaufskorb oder bekommt er noch die Kurve? Die Frage nach den Überlebenschancen des guten alten Einkaufswagens ist natürlich eng verknüpft mit dem Showdown von Online- und Einzelhandel.

Dabei wird uns scheinbar erst jetzt so langsam bewusst, von welch ikonischer Bedeutung unser vierrädriger, oft rattender Begleiter für unser Hineinwachsen in die Rolle als zuverlässige Warensammler war und natürlich auch noch ist. Sieht man einmal von der bedrängenden Konkurrenz des Online-Warenkorbs ab.

 

Die Evolution des Einkaufswagens

Inzwischen ist die Evolution des Einkaufswagens beim "Smart Cart" angelangt. Und fürwahr: Der Einkaufswagen 3.0 liegt so gut in der Hand wie er auch leise über den Parkplatz-Asphalt und die Fliesen der Konsumtempel flüstert, begünstigt durch seine Metarmorphose vom plumpen Metallkorpus zum schicken Kunststoff-Vollkörper.

Das Warensammelbecken als Designobjekt, wer hätte das je gedacht? Der Drahtkorb, das einstige Stiefkind des Designs, ist erwachsen geworden. Und ausladender, damit auch ordentlich was hineinpasst. Der Siegeszug der Discounter hat auch den Kinderwagenersatz beflügelt. Ich schiebe (meine Warenwelt), also bin ich. Je größer, je mehr.

 

Handgefärbte Wahrnehmung

Das Kunststoffobjekt wirkt nicht nur griffig, angenehm leicht und warm. Rollwiderstände sind des Einkaufsfeldes verwiesen, metallkalte Kontaktflächen eliminiert. Handgefärbte Wahrnehmung ohne Störungen, perfektes Priming, noch bevor wir den ersten Warengriff tätigen.

Es gibt ihn in daher in allen Größen, überdimensioniert für den Kaufrausch, praktisch schmal für den Convenience-Shop mit pointiertem Warenangebot oder in der Bonsai-Version für den drängelnden Nachwuchs – früh übt sich statt sich nur einfach schieben lassen.

 

Das Konzept „Annahme“

Die Bewegung am Wagengriff aktiviert das Konzept „Annahme“. Schließlich gehen die Arme auseinander. Je größer das fahrbare Sammelbecken, desto offener … Vom Start meiner Shoppingtour bis zur Ziellinie des Kassenscans bin ich maximal sensibilisiert für Botschaften und Reize.

Möglicherweise bin ich später, zu Hause auf dem Boden der Tatsachen, darüber erstaunt, was wirklich im “Shopping Cart” landet. Und einmal mehr sehe ich einschlägige Studienergebnisse bestätigt: “70 Prozent der gekauften Produkte standen nicht auf der mentalen Einkaufsliste.”

 

“Mehr berühren, mehr verkaufen”

“Mehr berühren, mehr verkaufen” – der Haptik-Effekt im Verkauf beginnt schon beim modernen "Smart Cart". Obendrein nutzt er alle Möglichkeiten der Online-Welt. Einkaufbegleitender Informationsflow, opimierte Einkaufswege, bargeldloses Zahlen.

Für soviel Annehmlichkeiten zahlen wir natürlich gerne ein wenig mehr – mit unseren Daten, die der fleißige Vasall währen der Shoppingrundfahrt mit uns eingesammelt hat. Warum sollte ausgerechnet er sich der Cloud verweigern?

“Die Zukunft des Einkaufswagens, so scheint es, wird smart. Und vielleicht auch kurz: Denn selbst der schlaueste Smart Cart wird überflüssig, wenn Kunden sich alle Waren ins Haus liefern lassen”, wie der Wissenschaftsjournalist Janosch Deeg in seinem Beitrag “Der Einkaufswagen, Anthropologie und Abgründe” konstatiert.

 

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Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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