Haptische Medien, horizontales Erzählen

von Olaf Hartmann am Montag, 08 August 2016. Veröffentlicht in Neuromarketing

Entschleunigung als Überlebensstrategie

Mit der Expansion der digitalen Welt erreicht auch die Beschleunigung der Informationsprozesse neue Rekorde – kein Ende in Sicht. Teil 1 unserer Betrachtung widmete sich dem Mythos vom Multitasking und der Frage, ob wir unser Leben noch selber in der Hand haben.

Doch unser Oberflächensurfen und der 24/7 Dauerdruck erfahren Gegenentwürfe. Bereits seit geraumer Zeit werden Work-Life-Balance und Entschleunigung als Gegen- bzw. Komplementärtrend gelabeled. Doch das Bedürfnis nach Kontemplation und Aktivitäten mit ruhiger Hand ist eher eine Konstante, ein schon archaisch fundiertes Grundbedürfnis. Das Hirn braucht den Entspannungsmodus wie jeder hart arbeitende Muskel des Körpers, um fit und frisch zu bleiben.

So hat beispielsweise der prognostizierte Siegeszug der E-Reader über das gedruckte Buch nie stattgefunden. Die deutsche Buchbranche setzt jährlich auf relativ konstantem Niveau über neun Milliarden Euro um.

Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Vorzüge des haptischen greifbaren Klassikers spielen uns in die Hände – sowohl in unserem Bedürfnis nach Abschalten und Abtauchen als auch nach fassbarer Qualität und realer Berührung.

 

Slow Media vs. Diffusionsmedien

Wie man beim Zukunftsinstitut konstatiert, setzen selbst die schnelllebigen Medien mittlerweile verstärkt auf „Slow Media“. Dabei unterscheiden die Zukunftsforscher zwei Nutzungsstile im Medienkonsum: „Fokusmedien“, z.B. ein Buch, ein Magazin oder ein Brief, denen der Empfänger seine volle Aufmerksamkeit schenkt, und „Diffusionsmedien“, die nebenbei für Hintergrundrauschen sorgen, beispielsweise das TV.

In ihrer Studie zum Thema unterstreichen sie, dass Printprodukte für Qualität stehen, hochmobil, dabei unabhängig von technischen Ressourcen sind und als Genuss empfunden werden. Die haptischen Medien erfüllen unser Bedürfnis nach sinnlichen Erlebnissen und sind mit einem emotionalen Wert verbunden

 

Horizontales Erzählen

Aber auch die TV-Macher schauen dem Trend den Untersuchungen des Zukunftsinstituts zufolge nicht untätig zu und bemühen sich, das Bedürfnis nach Entschleunigung verstärkt mit horizontalem Erzählen zu erfüllen.

Höchst erfolgreiche Serien wie „Breaking Bad“ oder „Mad Men“ werden entlang eines durchgehenden Erzählstrangs komponiert – jede Folge nimmt den roten Faden der vorgehenden wieder auf. Den Gegenpol bilden vertikale Serien, die mit jeder Folge eine abgeschlossene Story bieten.

Das neue Schlagwort für Slow Media im Fernsehen lautet „Quality TV“, zeitgemäß verlängert ins Netz via Mediatheken und Streaming-Plattformen – Online-Dienste, die sogar das meist verfehlte Ziel „Paid Content“ einlösen.

Die Zukunftsforscher aus Frankfurt am Main und Wien sind sich sicher, dass Slow Media weiteres Terrain erobern wird, „weil Menschen nach Ruhe suchen, in Stoffe eintauchen möchten und dabei die Möglichkeit haben wollen, die Zeit vergessen zu können“. Umso mehr im Sog beschleunigter wie schnelllebiger Zeiten ...

 

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Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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