Hirnforschung für den Alltag

von Olaf Hartmann am Montag, 02 Januar 2017. Veröffentlicht in Neuromarketing

Mehr Erfolg mit guten Vorsätzen

Hirnforschung für den Alltag - ©stapagAlle Jahre wieder wird zu Silvester ein Feuerwerk von Veränderungswünschen gen Himmel geschickt. Je nach Hochrechnung aus Umfragen nehmen sich die Hälfte bis zwei Drittel der Deutschen vor, im neuen Jahr etwas zu ändern – vorzugsweise Gewohnheiten, die als kontraproduktiv fürs Wohlbefinden erkannt wurden.

Ganz oben auf der Wunschliste stehen seit Jahren auf gesündere Ernährung achten, regelmäßig Sport treiben, mehr Zeit mit seinen Lieben verbringen, nicht mehr Rauchen ...

Die meisten guten Vorsätze landen im Laufe des Jahres allerdings unter Ablage P, nur geschätzte acht Prozent schaffen es, ihre Pläne zu verwirklichen. Denn neuropsychologisch betrachtet handelt es sich um Muster, die tief eingeprägt sind und uns unbewusst leiten.

 

Archaisches Muster

Warum platzieren wir die guten Vorsätze ausgerechnet zum Jahreswechsel? Auch dieses Ritual knüpft an tradierte Archetypen an. Schon vor Jahrtausenden stand die Wintersonnenwende quer durch die Kulturen und Religionen im Mittelpunkt feierlicher Zeremonien.

Allerdings ging es unseren Vorfahren weniger um eine rauschende Party der Lebensfreude als um die Beschwichtigung tief sitzender Zukunftsängste. Die Tage zwischen neuem und altem Jahr wurden als Riss im Fluss der Zeit wahrgenommen, durch die böse Mächte eindringen können.

Feuerzauber und lärmende Trommeln sollten die üblen Geister in die Flucht schlagen. Mit guten Wünschen für die Zukunft hoffte man, die Götter gnädig zu stimmen.

 

Magische Wünsche

Vor diesem Hintergrund wurzeln Wünsche im Glauben an Magie. „Gute Vorsätze sind der letzte Abglanz dieser starken Beschwörungsformeln“, resümiert der Hirnforscher Gerhard Roth.

Aus Sicht der Neurowissenschaft ist Veränderung eine schwierige Aufgabe. Schon deshalb, weil sie Selbsterkenntnis voraussetzt. Die meisten Prozesse unseres Gehirns laufen jedoch implizit ab, nur ein Bruchteil wird uns bewusst, was auch Emotionen und Absichten einschließt.

Gewohnheiten entsprechen tief verankerten Mustern, die automatisch greifen – mit allen Vor- und Nachteilen.

Hilfreich ist dabei die Differenzierung zwischen Automatismen des Annäherungsverhaltens (wie z.B. der Griff zum Smartphone als erster Akt beim Aufwachen, bei dem der Tastsinn involviert ist) und des Vermeidungsverhaltens (beispielsweise das Aufschieben von Arztterminen, ein für das neuronale Netzwerk eher abstrakter Akt).

Es verwundert kaum, dass Annäherungsgewohnheiten, bei denen i.d.R. unser Tastsinn ins Spiel kommt, schwerer zu verändern sind als Vermeidungsgewohnheiten. Das zeigt auch eine aktuelle Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Journal of Experimental Psychology: General“ publiziert wurden.

 

Wege zur Veränderung

Die gute Nachricht: Veränderung ist möglich! Der Wermutstropfen: Sie gelingt nicht ohne Energieaufwand oder auch einschneidende Erlebnisse.

Laut Roth gibt es drei Methoden, gravierende Veränderungen im Mustercocktail der rosa Zellen zu bewirken. Der brutale, inhumane Weg führt über Gehirnwäsche, bei der mit psychischen und physischen Foltermethoden der Wille des Menschen gebrochen, das Individuum letztlich zerstört wird.

Die zweite Möglichkeit ist mit Erlebnissen verknüpft, die uns emotional so nachhaltig berühren und bewegen, dass sie auch im Erwachsenenalter noch starke Veränderungen in der Persönlichkeit herbeiführen können.

Beispiele dafür sind der Lungenkrebstod eines geliebten Menschen, der die eigene Nikotinentwöhnung motiviert; eine schwere Burn-Out-Erkrankung als „Lohn“ für die permanente Opferung eigener Bedürfnisse, um anderen zu Diensten zu sein. In diesem Fall steht Verhaltensänderung bereits im Zeichen des Selbsterhaltungstriebes – ein starker Beweggrund.

Ebenso kann die Bekanntschaft mit einem Menschen, den wir als Vorbild akzeptieren, zu einem „Erweckungserlebnis“ führen. Allerdings betont Roth, dass solche Begegnungen meist nur der Dünger für schon zuvor gelegten Humus sind – sprich der Veränderungswunsch wird durch das Vorbild beflügelt.

 

Veränderung als Alltagsritual

Verhaltensmuster sitzen tief – ob der Griff zum Glimmstängel, die Lust am Naschen oder die Präferenz, nach Feierabend abzuhängen statt mit Frischluft und Bewegung neue Energie zu tanken.

Um diese impliziten Dirigenten auf eine neue Melodie einzuschwören, braucht es vor allem Geduld, Kontinuität und Milde mit sich selbst; ein kleiner Rückschlag ist noch lange kein Grund aufzugeben. Roth rät zu kleinen Schritten über lange Zeit. Eine große Herausforderung, insbesondere wenn man die Veränderung im Alleingang schaffen will.

Leichter wird es, wenn ein nahe stehender Mensch mitzieht, z.B. der Lebenspartner, uns immer wieder an unsere Ziele erinnert und motiviert, ob zur Joggingrunde am Morgen oder dazu lieber einen Tee zu trinken als blauen Dunst zu verbreiten.

 

Weitere Weichenstellungen

Wie die Psychologin Julia Umek auch mit Blick auf Erkenntnisse der Hirnforschung unterstreicht, ist es zudem hilfreich, gute Vorsätze mit angenehmen Emotionen zu verknüpfen.

Weckt die Vorstellung regelmäßiger Rückenübungen nur ungute Gefühle, sei der Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt. In diesem Fall sollte sich der Änderungswillige erst einmal all die positiven Auswirkungen des neuen Verhaltens vor Augen führen.

Als besonders wirksam erweist sich dabei die Formulierung eines persönlichen Mantras, das ein Gegengewicht zum impliziten Muster bildet und es durch seine kontinuierliche Wiederholung aufweicht und neu auflädt.

Auch kleine Belohnungen unterstützen die Bemühungen, denn sie zünden Glückshormone im Gehirn, die wiederum die Motivation stärken.

Ohne solche Motivationsstrategien sind die Aussichten auf Erfolg gering. Denn der Lieblingsmodus des Gehirns ist bequemer Flow, getragen von Mustern, für die wir keine Denkenergien einsetzen müssen.

Ob Mitstreiter, konkrete (Etappen)Zielsetzungen, Erinnerungsstützen – alles zahlt auf die Schaffung einer neuen Routine ein. Das Wichtigste ist jedoch, neue Verhaltensmuster täglich bewusst zu wiederholen bzw. einzuüben, nur so kann das alte Muster überschrieben werden.

Bei diesem konsequenten Vorgehen sollen sich schon nach drei Wochen erste Erfolge zeigen – eine neue Routine hat sich entwickelt. Feiern Sie den Etappensieg und nutzen Sie den Motivationsschub, um den neu eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen, sonst können Sie nächstes Jahr von vorne anfangen.

Wir wünschen Ihnen ein erfolgreiches 2017 und beflügelnde Energien, um konstruktive Ideen auch in die Tat umzusetzen!

 

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Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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