Touch! Der Haptik-Effekt im multisensorischen Marketing - page 8

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Vorwort
chen Bedingungen empfinden Menschen einen Mehrwert? Was macht ein Produkt
oder eine Dienstleistung relevant und damit wertvoll für Menschen?
Antworten auf meine Fragen offenbarten sich erst nach und nach …
Die Hierarchie der Sinne
Meine ersten Berufsjahre verbrachte ich in der Abteilung für internationale Wer-
bung eines Chemiekonzerns. Dort lernte ich, wie Werbung Marken und Produkte
mit Wert auflädt. Mir fiel eine unausgesprochene Hierarchie der Werbe-Sinne auf:
Ganz oben stand die Fernsehwerbung, gefolgt von Print- und Radiowerbung, und
ganz unten fristeten Werbeartikel ein staubiges Dasein. Niemand wollte sich mit
den öden Stiften, Haftnotizen und Kalendern beschäftigen, das war Aufgabe des
Einkaufs. Bis eine Messe oder Vertriebstagung bevorstand – dann landete eine
Auswahl der haptischen Werbemittel auf dem Konferenztisch und die Augen mei-
ner Kollegen leuchteten. Jeder hatte eine Meinung zu den Objekten und auch ei-
gene Ideen, beispielsweise: Zum neuen Rundumschutzmittel für Saatgut würde
doch ein transparenter Flummi passen, in den wir ein paar Saatkörner eingießen?
In diesen Momenten spürte ich Emotionen und Energie, ausgelöst von den Werbe-
artikeln. Leider blieb das kommunikative Potenzial meist im Konferenzraum zurück.
Niemand wollte sich um das Thema intensiver kümmern. Also machten wir wieder
– wie die 08/15-Bank aus der Sparkassenwerbung – „das mit den Fähnchen“.
Verhalten ändert Einstellungen
Am Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen brachte ich später als
Referent meine Jonglierkünste erneut ein. Die Teilnehmer von Seminaren zur Ma-
nagementmethode des vernetzten Denkens sollten Jonglieren lernen. So etwas
erwarteten sie nicht und entsprechend groß war ihre Skepsis. Dabei jonglierten
die Manager im übertragenen Sinne bereits täglich: mit Terminen, Ressourcen und
Aufgaben. Beim Jonglieren mit den Bällen lernten die Teilnehmer, wie sie komplexe
Situationen erfolgreich meistern – indem sie Wirkzusammenhänge erkennen und
nutzen, die richtigen Prioritäten zur richtigen Zeit setzen und Zielkonflikte vor-
hersehen. Mit Wissen, Ausdauer und Mut zur Veränderung bekamen sie die Kom-
plexität erstaunlich schnell in den Griff. Nach einer Stunde jonglierten alle Semi-
narteilnehmer mit drei Bällen. Dabei waren sie hoch konzentriert, schärften ihre
Wahrnehmung, hatten Spaß und waren am Ende stolz und energiegeladen. Die
weiteren Seminarinhalte verfolgten sie hoch motiviert. Das Hantieren mit den Bäl-
len hatte ihre geistige Haltung verändert. Das war auch für Unternehmen interes-
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