Der Haptik-Effekt-Blog
von Touchmore

Aktuelle Erkenntnisse
aus der Verhaltenspsychologie, den Neurowissenschaften
und dem multisensorischen Marketing.

Von der Postkarte zum Printmailing

Die Postkarte wird 150 Jahre alt

Alte Postkarten Köln und Rhein

Jubiläen, Gedenk- und Feiertage: kein Tag inzwischen mehr, der nicht irgendwem oder irgendwas gewidmet ist. Komplettiert und (oft zu Recht) auch überlagert von den Jahrestagen wichtiger historischer Ereignisse. Das Salz in der Erinnerungssuppe aber sind unsere ganz persönlichen Erinnerungskalender: Tage, Monate und Jahre, die unsere Vita geprägt haben, uns zu dem formten, die wir sind.

Oft verbunden mit Zeugnissen unserer Erinnerung: gesammelte Gegenstände, Souvenirs, Bilder, Urkunden, Zeitungsschnipsel, Tagebücher, Briefe – und Postkarten. Letzteren habe ich an dieser Stelle schon einmal als Haptik Nostalgie einen Blog gewidmet.

Von der Postkarte zum Printmailing

Aus gutem Grund: denn das virulente haptische Erinnerungspotential der Postkarte, das in unserem kollektiven Unterbewusstsein weiterschlummert, kann leicht durch Printmailings reaktiviert und genutzt werden.

In diesem Jahr wird die Postkarte 150 Jahre alt. Mitte des 19 Jahrhunderts hatte ihre Erfindung buchstäblich in der Luft gelegen, fast mit den Händen greifbar, ehe die Österreichische Post eine Idee ihres Landsmannes Emanuel Herrmann aufgriff und 1869 “Correspondenzkarten” lancierte.

Riesiger Kommunikationszirkel

War der Ökonom Emanuel Herrmann noch – gänzlich Effizienz-durchdrungen – vom ökonomischen Einsparpotential beseelt, das er akribisch auf 20 Millionen Gulden jährlich alleine für Österreich hochrechnete, traf seine Idee einfach den Nerv der Zeit und der europäischen Gesellschaft, über alle sozialen Schichten hinweg.

Als in den 1880er Jahren die Postkarte zur Bildpostkarte weiterentwickelt wurde, gab es für das neue Medium kein Halten mehr. Jahr für Jahr purzelten Zigmillionenfach die Rekorde. Kein Haushalt, der in diesen riesigen Kommunukationszirkel nicht eingebunden war, ob als Verfasser, Empfänger oder gleich in Doppelfunktion.

Der Urknall der Freizeitindustrie

Die Bildpostkarte begleitete und dokumentierte die Errungenschaften des Fortschritts wie erste Freizeitkontingente und damit verbundene Ausflugs- und Reisemöglichkeiten. Mit der Postkarte hielten die Menschen erstmals ein haptisch-visuelles Dokument ihres neu zu entdeckenden Privatlebens in den Händen.

Reiseerlebnisse, Emotionen zum Anfassen: Das war nichts weniger als der Urknall der Freizeitindustrie, der sich tief im kollektiven Unterbewusstsein verankert hat. Bis heute, Facebook hin, Instagram her. Eine Steilvorlage für Ihren Marketingmix.

Immer wieder sichtbar, immer wieder greifbar:
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