Der Haptik-Effekt-Blog
von Touchmore

Aktuelle Erkenntnisse
aus der Verhaltenspsychologie, den Neurowissenschaften
und dem multisensorischen Marketing.

Haptik und Finanzen

Geld ist ein Versprechen auf Vertrauensbasis – Teil 1

Haptik und Finanzen ©stapag

Alles hat seinen Preis. Die moderne Finanzwelt ist hyperkomplex und längst in abstrakte Sphären abgehoben. Ein langer Weg vom Tauschhandel mit realen Waren über Goldstücke mit echtem, korrespondierendem Wert hin zu Münzen aus Metall und Noten aus Papier, die nur noch Symbole für abstrakten Tauschwert sind, doch immer noch greifbar – ein Faustpfand für die Hand.

Im Sog der digitalen Expansion verflüchtigt sich zusehends auch der letzte haptische Anker, um Geld im Griff zu behalten. Online-Banking, Kartenzahlungen, virtuelle Bezahlsysteme wie PayPal – was bezahlen Sie eigentlich noch in bar?

In Deutschland ist die Quote nach wie vor hoch. Laut Bundesbank basieren hierzulande fast 80 Prozent aller Zahlungsvorgänge auf Bargeld. Ausgehend von der Gesamtsumme würden die Bundesbürger noch über 50 Prozent ihrer Einkäufe bar bezahlen.

Geldausgeben aktiviert das Schmerzzentrum

Die Gründe erhellt z.B. eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov. Fast drei Viertel der Befragten halten Bargeld für sicherer als Kartenzahlung. Darüber hinaus erleichtere es die Kostenkontrolle – man denke auch an Neurostudien, die belegen, dass Geldausgeben das Schmerzzentrum aktiviert, allerdings stärker, wenn Scheine gezückt werden.

Weitere Argumente für Bares: einfach zu handhaben und nicht zuletzt der Schutz der Privatsphäre. Bei einem Voting des Magazins Spiegel anlässlich der Meldung, dass die EZB ab 2018 keine 500-Euroscheine mehr produzieren will und über die Abschaffung des Bargeldes nachdenkt, kreuzten 79,29 Prozent der Teilnehmer folgende Option an: „Bargeld ist gedruckte und geprägte Freiheit und darf niemals abgeschafft werden. Sonst landen wir im Überwachungsstaat.

Auch Banking-Diensten wird misstraut. Nach einer Studie des Sicherheitsanbieters Gemalto nutzen nur 45 Prozent der Bundesbürger ihr Online-Konto.

Allerdings fragt sich, wie lange sie ihr Geldinstitut noch persönlich aufsuchen können? Das Filialsterben der Banken und Sparkassen strebt neuen Höhepunkten zu. 2006 gab es in Deutschland noch rund 44.000 Filialen, Ende 2015 waren sie auf 34.045 Zweigstellen geschrumpft – ein Prozess, der sich weiter fortsetzen wird ...

Automaten statt Service

In der Praxis heißt das: die persönliche Betreuung beim Geldinstitut um die Ecke ist auf dem Rückzug. Ein weiterer Negativfaktor fürs Vertrauen – ein zartes Pflänzchen, das in erster Linie auf dem Humus zwischenmenschlicher Beziehungen gedeiht.

Nach Erhebungen der GfK Gesellschaft für Konsumforschung findet sich so etwas wie Vertrauen in die Geldinstitute nur noch bei 29 Prozent der deutschen Verbraucher „ganz oder zumindest überwiegend“.

Nimmt man Umfrageergebnisse von statista hinzu, zeigt sich, dass dennoch über die Hälfte der Bundesbürger dem „eigenen“ Geldinstitut vertraut. Der Gedanke an Zweckoptimismus drängt sich auf. In letzter Konsequenz müsste man sonst sein Erspartes wieder im Garten vergraben oder wie einst die Großeltern unter der Matratze bunkern.

Was assoziieren Sie mit den hauptberuflichen Finanzverwaltern? Einen Geldautomaten, der hoffentlich auch am Wochenende funktioniert? Ein Geldinstitut, das vor allem auf den eigenen Umsatz achtet? Denn auch das einst höchst seriöse Image der Banker ist erodiert. Mittlerweile eilt ihnen der Ruf voraus, weniger im Sinne des Kunden zu agieren als vielmehr an die eigene Provision zu denken bzw. das Konto des Arbeitgebers zu füllen.

Ganz zu schweigen davon, dass auch die minderbemittelten Schichten für die Spekulationsakrobatik der Gelddienstleister zur Kasse gebeten werden und im Gegenzug mit immer niedrigeren Zinsen bis hin zum Null- oder gar Negativzins beglückt werden. Das prominenteste von mittlerweile vielen Paradebeispielen: das Platzen der Finanzblase in 2009. Die Warnungen von Expertenseite, dass die nächste Krise bereits unterwegs ist, sind seitdem nicht mehr verklungen.

„Spare in der Zeit, so hast Du in der Not!“ Das war gestern. Eines der Hauptinstrumente der kleinen Leute zur Vorsorge steht kurz vor der Kapitulation. Die Banken ziehen sich aus der Fläche zurück und verschwinden zunehmend aus dem Gesichtsfeld ihrer Kunden. Obendrein müssen sie sich der Attacken der so genannten FinTechs erwehren. Mit Krypto-Währungen wie Bitcoin sind weitere – kaum fassbare - Wettbewerber erwachsen.

Was ist zu tun? Wo liegen die Vertriebsansätze der Zukunft? An einer maßgeblichen Antwort - die allerdings nicht den Anspruch erhebt, die einzige zu sein - versuchen wir uns in Teil 2: „Haptisches Vertrauen“.

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