Hinsehen und nichts wahrnehmen

von Olaf Hartmann am Sonntag, 28 Oktober 2018. Veröffentlicht in Haptik

Der digitale ROI: “Immer mehr für immer weniger Wert zahlen”

Menschen an Messestand auf Digitalmesse“panta rhei” - Alles fließt. Das formulierte vor fast 2.500 Jahren bereits Heraklit. Zumindest wird ihm diese philosophische Lebensweisheit zugeschrieben.

In welche Worte er seine Erkenntnis heute kleiden würde, wissen wir nicht. Am Prinzip des beständigen Stroms, des Werdens und Vergehens, hat sich nichts geändert.

 Der Tsunami der Werbekontakte

Was sich aber geändert hat, ist  die Fließgeschwindigkeit, angetrieben durch die Digitalisierung und die mit ihr einhergehende Flüchtigkeit der entmaterialisierten Phänomene.

Tsunami-artig angeschwollen sind auch die Werbekontakte, denen sich ein durchschnittlicher Online-User heute ausgesetzt sieht. Waren es in den 1980er Jahren etwa zwischen 650 bis 850 kommerzielle Kontakte, denen sich der Konsument täglich ausgesetzt sah, so ist die Dosis der täglichen Reklame heute auf eine Hochfrequenz zwischen 10.000 bis 13.000 Einheiten hochgeschnellt.

 

Hinsehen und nichts wahrnehmen

Ein klarer Fall einer fahrlässigen Überdosis von Werbers Seite, gegen die sich das Individuum schützen muss und kann. Durch Ausblenden nämlich, einen gewissermaßen mentalen Tunnelblick, den Thomas Koch in einer seiner jüngsten Glossen auch als “Werbeblindheit” zitiert - hinsehen und nichts wahrnehmen:

“Die Werbeblindheit, übrigens, tritt angeblich bereits bei einer Dosis von 3.000 bis 5.000 Werbebotschaften pro Tag und Konsument ein. Die Werbung schafft sich quasi selbst ab.” Weil ihr Verpuffungsgrad von Jahr zu Jahr anzieht – bei steigenden Kosten.

 

Der digitale ROI: “immer mehr für immer weniger Wert zahlen”

So lautet denn auch der triste Claim des digitalen Marketing-ROI: “Immer mehr für immer weniger Wert zahlen”. Kann sich eigentlich niemand leisten. Praktizieren aber trotzdem alle. Warum?

Auch hierauf weiß Thomas Koch eine Antwort: “Die 780.000 eingetragenen Marken in Deutschland investieren zwar schon seit Jahren nicht mehr Geld in Werbung, dafür jedoch immer mehr in billige Werbung im Internet.” Weil’s billig ist: Stroboskopwerbung. Viel hilft viel, Streuen um jeden Preis.

Koch setzt seine Hoffnung auf ein werbungsfreies Internet, genauer auf Sir Timothy John Berners-Lee, genannt Tim. Der britische Physiker und Informatiker, Erfinder des HTML (Hypertext Markup Language) und Begründer des World Wide Web, arbeitet an der Alternative zum datensaugenden und werbungsverseuchten Web.

 

“Solid”: der Garaus für alle datensaugenden Ökonomiemodelle?

„Solid“ (Akronym für Social Linked Data) heißt sein Plattform-Projekt zur Dezentralisierung des World Wide Web, das alle erzeugten Daten beim User belässt. Das wäre der Garaus für alle datensaugenden Ökonomiemodelle, allen voran Facebook und Google.

Den Weg vom Werbe- zum Daten- und Überwachungsmarkt, wie ich ihn vor geraumer Zeit in meinem Blog Tausche Kreativität gegen Daten beschrieben habe, würde damit sein jähes Ende finden.

 

Online und Offline im Marketing-Mix neu definiert

Und ganz nebenbei hätte auch das Massenschreddern von Online-Marketing-Etats sein natürliches Ende gefunden. Das Verhältnis von Online und Offline im Marketing-Mix könnte neu, ausgewogener und damit effizienter definiert werden.

Welche entscheidende Rolle dabei Print spielen kann und vor allem warum, das erfahren Sie in meinem kostenlosen Whitepaper „The Power of Print - Warum die Zukunft des Marketings nicht nur digital sein wird“. Lernen Sie zu verstehen, warum Print in einer in einer flirrenden, digitalen Welt Marken real erfahrbar und Nutzenversprechen begreifbar macht.

 

Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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