Touch als Grundlage der menschlichen Erkenntnis

von Olaf Hartmann am Mittwoch, 17 April 2019. Veröffentlicht in Haptik

Ein neues Erkenntnismodell für KI

Grafik: 100 subjektive menschliche GefühleDie Forschungen zur Bedeutung unseres Tastsinns haben Verstärkung von unerwarteter Seite bekommen. So mehren sich in jüngerer Zeit Beiträge zum Thema von KI-Spezialisten (Künstliche Intelligenz, auch AI als Artificial Intelligenz oder Deep Learning).

In einem meiner jüngeren Blogbeiträge habe ich über einen Twitter-Poll des des US-Neurowissenschaftlers Kevin Wright berichtet, der seine Twitter-Follower fragte, welcher unserer Sinne ist für Twitter-User der wichtigste ist? Überraschendes Ergebnis: der Tastsinn obsiegte knapp vor dem Sehvermögen.

 

Touch als Grundlage der menschlichen Erkenntnis

Das vermutlich komplexeste Votum hinterließ der KI-Spezialist Carlos Perez, Autor der künstlichen Intuition und des Deep Learning Playbook. Perez attestiert den KI-Forscherkollegen schlicht einen falschen Ansatz für die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und sieht den missing Link in der fehlenden Integration des Tastsinns.

Seine Prämisse: Berührung wird vor der Wahrnehmung gelernt: „Perception is learned through the transfer of skills that come from touch.“ Die kognitiven Mechanismen der Berührung beeinflussen stark die Funktionsweise unserer visuellen Wahrnehmungssysteme: Touch als Grundlage der menschlichen Erkenntnis.

 

Das körperliche Selbst

Unser Körper verfügt über viele sensorische Rezeptoren, mit denen wir fühlen können. Dazu gehören nicht nur Hände und Haut, sondern auch hochsensible innere Rezeptoren wie Stretch- und Druckrezeptoren in Muskeln, Gelenken und Organen. Ihre Orchestrierung bildet die komplexe Erfahrung unseres inneren Körpers und unserer Umgebung („Collectively, they form a complex experience of your inner body and your environment“): das innere Selbst.

Auf der Basis einer Bewusstseinsstudie wurde 100 subjektive Gefühle kartographiert als Destillate von Empfindungen, die in verschiedenen Körperteilen spürbar sind („Bodily feeling maps“). Das ist nichts weniger als ein neues Erkenntnismodell.

 

Unser Verständnis der Welt hängt von unserem Weltgefühl ab

In der KI wird nun zunehmend nach neuen Erkenntnissen zum körperlichen Selbst gesucht in dem Bestreben, zu Modellen für die Berührung zu kommen. Perez identifiziert den Tastsinn in diesem Zusammenhang noch weitgehend als Terra incognita: „Touch indeed is an undiscovered territory that any new research in this topic will likely have an outsized impact towards developing general intelligence.“

Seine Conclusio: Unser Verständnis der Welt hängt von unserem Weltgefühl ab und nicht von unserer Wahrnehmung der Welt. Gefühl ist nicht etwas, dem wir passiv ausgesetzt sind, sondern etwas, das wir tun.

 

„Die Grundlage der menschlichen
Erkenntnis ist, wie wir mit unserer Welt interagieren“

Die Qualität eines Gefühls ist die Qualität unserer Art, mit der Umwelt zu interagieren. Diese Qualität ist abstrakt. Sie kann nicht künstlich erzeugt werden, auch nicht von unserem Gehirn.

Der Psychologe J. Kevin O'Reagan, der bis zu dessen Auflösung 2006 letzte Direktor des "Laboratoire de Psychologie de la Perception" an der Pariser Université René Descartes, schreibt dazu in seinem Buch “Why Red doesn’t sound like a bell”:

„Die Rolle des Gehirns beim sensorischen Gefühl besteht nicht darin, das Gefühl zu erzeugen, sondern die Interaktionsmodi mit der Umgebung zu ermöglichen, deren Qualität dem Gefühl entspricht. Die Grundlage der menschlichen Erkenntnis ist, wie wir mit unserer Welt interagieren. Die Wahrnehmung ist nicht passiv, sondern eine aktive Konversation, und so können wir die Welt grundsätzlich ‚fühlen‘.“

 

Erlebnisse, die alle Sinne ansprechen

Metaphern wie „good/bad vibrations“, „Wie fühlst Du Dich“, „gefühlte Wahrheiten“, „vorfühlen“ etc. haben genau dort ihren Ursprung. Ein wichtiger Weg zu Gefühlsqualitäten führt über unsere Hand.

Sie vermittelt uns nicht nur sensorisch „verlässliche Information“, sondern „ein Gefühl der Gewissheit“. Beides markante Vorzüge unserer haptischen Werbebotschafter. Das sagen auch unsere Kunden

Credits: ©PNAS

 

Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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