Welcher unserer Sinne ist für Twitter-User der wichtigste?

von Olaf Hartmann am Donnerstag, 11 April 2019. Veröffentlicht in Haptik

Vom Fingerspitzengefühl der digitalen Community

Screenshot Twitter-Poll Sensorisches SystemHaptik-Features und Tastsinn-Forschungsergebnisse haben Konjunktur. Ob Wissenschaft, Feuilleton oder Marketing: die Vermessung unseres Tastsinns brummt. Inzwischen verbreiten sich populärwissenschaftliche Darstellungen des Themas auch an der Basis.

Doch damit nicht genug. Selbst in der digitalen Community ensteht so etwas wie ein taktiles Bewusstsein. Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich nutzen viele Neurowissenschaftler und -Marketer auch die sozialen Netzwerke zur Verbreitung ihrer Forschungsergebnisse und Erfahrungen.

 

Welcher unserer Sinne ist für Twitter-User der wichtigste?

Dabei ist der bevorzugte Kommunikationskanal Twitter. Ebendort stieß ich vor einiger Zeit auf den Account des US-Neurowissenschaftlers Kevin Wright, seines Zeichens Assistant Professor am Vollum Institute in Portland, Oregon. Der Hirnforscher hatte in einem Fachbeitrag folgende Aussage gelesen und in seinem Labor eine kontroverse Diskussion dazu entfacht: „Die Netzhaut, die als das wichtigste Sinnesorgan gilt ..."

Zur Unterstützung des Diskurses kreierte er kurzerhand unter seinen Followern auf Twitter am 18.02.2019 einen Twitter-Poll: Welcher unserer Sinne ist für euch Twitter-User der wichtigste? Zur Abstimmung standen „vision“ (Sehsinn), „hearing“ (Gehör), „taste/olfaction“ (Geschmackssinn und Geruchsvermögen) sowie „somatosensation“, unser Tastsinn.

 

Tastsinn schlägt Sehvermögen

Natürlich ersetzt diese spontane Umfrage mit ihren Ergebnissen keine valide Studie. Doch zeigt sie einen verblüffenden Trend, den selbst Kevin Wright in dieser Form nicht erwartet hatte.

So teilten sich Hörsinn, Geschmacks- und Geruchssinn mit 7 Prozent abgeschlagen den letzten Platz. Vorne entspann sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Seh- und Tastsinn, den letzterer mit 44 zu 42 Prozent sogar für sich entscheiden konnte (siehe Screenshot). Tastsinn schlägt Sehvermögen, ein solches Votum einer digitalen Community hätte niemand erwartet

 

Der Tastsinn erlebt keine Renaissance,
sondern seine Entdeckung auf breiter Ebene

Zumal ein solches Abstimmungsverhalten einen zumindest weitgehend vollzogenen Bewusstseinsprozess voraussetzt. Auch wenn dieser Twitter-Poll keine verallgemeinernden Schlussfolgerungen zulässt, so spiegelt er zumindest einen Trend wider: der Tastsinn steht offenbar nicht am Anfang einer Renaissance.

Was biologisch und kulturhistorisch stets als gegeben und nie von einer breiteren Öffentlichkeit bewusst rezipiert wurde, kann auch keine Wiederentdeckung feiern. Vielmehr steht unser Tastsinn vor seiner Entdeckung auf breiter Ebene, die auch die Digital Natives nicht ausnimmt.

 

Das Gegenmittel zur digitalen Ermüdung ist unser Tastsinn

Vielleicht hat sie sogar gerade dort ihren Ursprung genommen als Konsequenz der digitalen Fatigue, des digitalen Katers, dem das Digital Detox und damit die bewusste Gründung auf Haptik und unser Tastsinnessystem auf dem Fuße folgt.

Das Gegenmittel (ohne Risiken und Nebenwirkungen!) zur digitalen Ermüdung ist unser Tastsinn. Er vermittelt uns nicht nur sensorisch „verlässliche Information“, sondern „ein Gefühl der Gewissheit“. Beides auch hervorzuhebende Vorzüge unserer haptischen Werbebotschafter. Das sagen auch unsere Kunden.

Credits: ©Kevin Wright

 

Über den Autor

Olaf Hartmann

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Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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