Digitale Analphabeten?

von Olaf Hartmann am Dienstag, 16 Januar 2018. Veröffentlicht in Neuromarketing

Digitales Neuland und multisensorisch-analoge Entbehrungskultur

Messestand mit haptischen Papeterie-Waren

Digitale Analphabeten? Es gibt sie! Und zwar mehr, als Sie vielleicht mutmaßen. Alleine in Deutschland sollen es 18 Millionen sein – bei 82,8 Einwohnern (2017). Das ist fast jeder Vierte. Also keine unerhebliche gesellschaftliche Gruppierung. Aus der Perspektive des Marketers eine Klientel außerhalb jeglicher Online-Kommunikation. Always off. Tendenz übrigens steigend.

Warum? Zwei Antworten weisen den Weg: Aus einer aktiven Verweigerungshaltung heraus oder aber auch aus Unwissenheit heraus, wie uns ein Kommentar in der SZ vom 14. Januar näher bringt.

 

Digitale Analphabeten

“Die Zahl der Menschen steigt, die möglichst aller Technologie entsagen wollen. Vor allem Erwachsene fühlen sich ausspioniert oder bevormundet und wollen den digitalen Großkonzernen nicht noch mehr Daten liefern. Sie werden zu analogen Einsiedlern in einer digitalen Welt.”

Der Autor und Journalist Jürgen Schmieder hinterfragt in seinem Kommentar zur Digitalisierung die bewusste wie auch unbewusste Abstinenz von Bits und Bytes. Dabei zeigt er durchaus Verständnis: “Die digitale Welt ist irre kompliziert, und sie wird mit jeder Minute, die vergeht, noch komplizierter.”

 

“Neugierig ins digitale Neuland“?

Dennoch wirbt er für ein offeneres Weltbild und appelliert an unsere Neugierde. Schmieder postuliert eine neue mentale Agenda, die uns befähigt, “Neugierig ins digitale Neuland“ aufzubrechen.

So weit so digital. Nach meinem Dafürhalten greift die Aufteilung der so genannten digitalen Analphabeten in nur 2 Gruppierungen allerdings zu kurz. So wächst insbesondere unter den digitalen “Renegaten” der Anteil der “Rückkehrer” signifikant.

Der Anteil derer, die durchaus neugierig, zuweilen auch enthusiasmiert aufgebrochen waren zu neuen digitalen Gestaden, in der Spitze auch zu Treibern avancierten, Vordenkern und Influencern oder aber auch nur einfach ihr Berufs- wie auch Alltagsleben digitalisiert haben, zunehmend nun aber in einer gegenläufigen Bewegung ausscheren, steigt.

 

digital detox

Und damit meine ich nicht nur das Heer der Ausgebrannten, den grassierenden digitalen Burnout. Nein, auch die Gruppierung der vor jedem klinischen Zustand bewusst ausscherenden Akteure kennt ihre Zuwachsraten, wie beispielsweise die ungezählten Initiativen des “digital detox” ausflaggen. Und das sind mitnichten ausschließlich Repräsentanten des digitalen Analphabetismus’.

Spätestens an diesem Punkt stellt sich für jeden aufmerksamen Marketer die Frage, ob er einen respektablen Teil seiner potentiellen Konsumenten vorschnell abschreiben sollte. Auch hier gilt: wider besseres Wissen oder aus Unkenntnis.

 

Multisensorisch-analoge Entbehrungskultur

Die ungezählten multisensorisch-analogen Revivals von Insignien der analogen Gesellschaftskultur wie Sofortbilder, Bücher, analoge Tonträger wie Vinylschallplatten oder sogar wieder Musikkassetten, um nur einige herauszustellen, zeichnen die stabile Grundbefindlichkeit einer multisensorisch-analogen Entbehrungskultur nach.

Nach den Gesetzen der Marktwirtschaft bedient der Markt die steigende Konsumentennachfrage nach analogen Gütern. Für Marketingentscheider heißt das aber auch: Die relevante Konsumentengruppierung der digitalen Analphabeten hegt forciert hohe und höchste Affinitäten zu multisensorisch-haptischen Kommunikationsmaßnahmen wie Print, Hapticals und haptisches  Mailing.

 

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Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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