„Stoff auf dem Kopf“

von Olaf Hartmann am Mittwoch, 28 August 2019. Veröffentlicht in Neuromarketing

Wie Kopfbedeckungen Menschen verändern

Turbanträger macht Selfie vor WerbefigurenMultikulti birgt immense Inspirationskraft, aber – wie wir seit einigen Jahren wieder verschärft erleben – auch große Herausforderungen, die schon bei den gesellschaftlichen Grundlagen beginnen.

Die Regierungssysteme westlicher Industrienationen sind längst säkularisiert, die heutigen Konsumgesellschaften atmen seit Jahrhunderten den Geist von Aufklärung und Materialismus, werden vor allem von wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Fortschritten beflügelt.

Doch laut einer aktuellen Umfrage glauben in Deutschland immerhin noch 55 Prozent der Menschen an einen Gott, unabhängig davon sogar 66 Prozent an Wunder.

Die spirituelle Sehnsucht sucht sich neue Anker, ob im blühenden Esoterikfeld oder, auch bei Intellektuellen beliebt, in den Energiesphären der Quantenphysik.

 

Interreligiöser Dialog

Insbesondere nach dem dramatischen Einschnitt der Terroranschläge vom 11. September 2001 bemühen sich die meisten demokratischen Staaten und auch zahlreiche Religionsgemeinschaften um interreligiösen Dialog.

Ein Engagement, das weiter an Bedeutung gewonnen hat, denn die globalen Migrationswellen und damit einhergehend das Wachstum der Multikulti-Gesellschaften haben sich fortgesetzt und werden schon vor dem Hintergrund des Klimawandels nicht abebben.

Angesichts terroristischer Anschläge im Namen einer Religion verlieren die Verständnisprobleme bei der Konfrontation mit Sitten und Gebräuchen anderer Kulturen zwar an Relevanz, doch Toleranz braucht den Alltag und Mehrheitsfähigkeit, um sich durchzusetzen.

Nächstenliebe ist übrigens auch – wie mich neulich ein muslimischer Taxifahrer belehrte – ein Kernwert des Islams, der wie so viele Religionen zahlreiche, teils widersprüchliche Auslegungen kennt.

 

„Stoff auf dem Kopf“

Toleranz zu predigen hat hohen Wert. Doch in die Rolle kulturell anders geprägter Menschen zu schlüpfen kann noch tiefer und intensiver wirken.

Ein inspirierendes Beispiel trägt den Titel „Stoff auf dem Kopf“. Mode als Ausdruck von Weltanschauung und Lebensstil wird in diesem Projekt zu einer tragfähigen Brücke zwischen den Kulturen.

Der Initiator Hannes Hein, Inhaber der (nicht käuflichen) Modemarke oofabric für multikulturelle Kopfbedeckungen, tourt mit seinem interreligiösen Workshop bereits seit fünf Jahren durch die Museen und Kulturhäuser des Landes.

Sein Ziel: Vorurteile und Ängste im Umgang mit fremden Kulturen abbauen. Im Koffer für Lehrmaterialien: Ein ganz besonderer, eigens komponierter Duft, ein Doku-Film über das Miteinander unterschiedlicher Religionsgemeinschaften in Jerusalem und eine Auswahl von Kopfbedeckungen wie z.B. Kippa-Kappen, Turbane, Hijab-Kopftücher, Mützen. 

 

Wie riecht Jerusalem?

Zum Auftakt und zur Einstimmung auf den Film werden die TeilnehmerInnen gebeten, erst einmal die Augen zu schließen und die Bestandteile des Raumduftes zu erschnuppern. Hein hat die spezielle Duftnote bei einem Dresdner Parfümeur in Auftrag gegeben hat. Briefing: „Ich habe ihm gesagt, ich möchte einen Raumduft haben, der so riecht, wie man sich idealerweise Jerusalem vorstellt.“

Das Resultat: eine Mischung aus Olive, Rose und Pinie – sehr herb, „aber angenehm durch den Rosenanteil“. Und sehr wirkungsvoll, denn Düfte docken als einziger Sinnesreiz direkt an das Emotionszentrum des Gehirns an.

Wie wertvoll sie als Erfahrungsquelle sind, unterstreicht die blinde Workshopleiterin, die Psychologin Anna Garbe: „Städte riechen extrem unterschiedlich. Berlin riecht anders als München. Deswegen ist der Geruchssinn ein Sinn, den man nutzen kann, um Dinge zu erfahren und erfassen."

 

Wie fühlt sich ein Hijab auf dem Kopf an?

Die Botschaft des Jerusalem-Filmes vertieft Hein noch, indem er z.B. erläutert, dass die drei monotheistischen Religionen um das „gleiche Personal“ zirkeln. „Sie haben sich nur in verschiedene Richtungen entwickelt. Das sieht man heute noch an ihrer Mode und an den Kopfbedeckungen."

Beim Anblick der Kollektion richtet sich die Aufmerksamkeit der TeilnehmerInnen zunächst auf die Vielfalt der Farben und Formen. Anna Gerber ermuntert zum Fühltest als Quelle hautnaher, sinnlicher Erfahrung.

Berührend und zugleich bewegend auch der Ausklang des Workshops: „Wir machen einen großen Modesalon, wo alle alles ausprobieren können und einfach Identitäten wechseln."

Dass schon das Tragen einer ungewohnten Kopfbedeckung ein anderes Lebensgefühl wecken kann, wird zur gemeinsamen Erfahrung und zahlt auf die Intention des Workshops ein: „Angst vor dem Fremden nehmen und Akzeptanz für die Bekleidung entwickeln“.

 

Multisensorisch Werte zum Leben erwecken

Die Werte-Diskussion mit Fokus auf multikulturelle Integration ist in unserer Gesellschaft längst zum Dauerthema avanciert und nimmt auch in der unternehmerischen Praxis wachsenden Raum ein, ob bei KMUs, Großunternehmen oder globalen Consumer Brands.

Doch wie auch die aktuelle Situation zeigt: Es gibt noch viel zu tun! Wir freuen uns darauf, Sie zu beraten, wie Sie auch Ihr soziales Engagement in sensorischen Botschaften transportieren können, die Ihre Zielgruppen ganzheitlich überzeugen!  

 

Über den Autor

Olaf Hartmann

Olaf Hartmann

Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Touchmore, Mitbegründer des Multisense Instituts und Autor von "Touch!", der ersten Beschreibung des Haptik-Effektes im multisensorischen Marketing.

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